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Stofftransport

2d- Schweb- / Schadstofftransportmodell HYDRO_ST-2D

 

 

1       Einführung

 

Das zweidimensionale Schweb- / Schadstofftransportsimulationsmodell HYDRO_ST-2D stellt eine Erweiterung des zweidimensionalen Strömungsmodells HYDRO_AS-2D dar. Es werden dabei neben den Strömungsgleichungen zusätzlich noch die Gleichungen für die Stoffkonzentration sowie evtl. für die Sohlenveränderungen (Exner- Gleichung) numerisch gelöst.

 

2       Mathematisch-numerisches Modell des Schweb- / Schadstofftransports

 

Die Verteilung der Stoffkonzentration C im Modellgebiet wird mit Hilfe der folgenden tiefengemittelten konvektiv-diffusiven Gleichung modelliert (Lee et al. 1994):

 

 

 

 

dabei bedeuten:


 

         Ci                       Schweb- / Schadstoffkonzentration [kg/m3],

         kx und ky            Diffusionskoeffizienten in x und y Richtung [m2/s],

         Sdi                      Ablage­rungsterm [kg/m2s],

         Sei                      Erosionsterm [kg/m2s]. 

 

(Andere Größen sind entsprechend dem HYDRO_AS-2D Benutzerhandbuch.)

 

Diese Gleichung kann im Fall des Schwebsotttransports für bis zu fünf verschiedene Korngrößen di gleichzeitig gelöst werden.

 

Der Ablagerungsterm Sdi  ist mittels folgender Beziehung bestimmt worden (Lee et al.

1994):

Die effektive Sinkgeschwindigkeit wsi hängt u. a. direkt von der Korngröße und der Flockenbildung (kohesiver Sediment) sowie indirekt von der Turbulenz ab.

 

Die Sinkgeschwindigkeit wsi  [m/s] (für die Korngröße di) wird im Programm mittels folgender Beziehung berechnet:

 


wobei der Koeffizient ksi und der Exponent msi sehr stark von ihrer experimentellen Bestimmungen (in situ oder Labor) abhängen. So streut ksi in der Literatur zwischen 0,1 mm/s und 200 mm/s und msi zwischen 0,5 und 2.

 

Die Wahrscheinlichkeit pi , daß der Schwebstoff abgelagert wird, beträgt:


mit τb = tatsächliche Sohlschubspannung [N/m2] und τcdi = kritische Schubspannung [N/m2] für die Korn­größe di (Lee et al. 1994). Der Ablagerungsterm wird zu Null gesetzt wenn τb > τcdi (keine Ablagerung).

 

Der Erosionsterm Sei ist für konsolidierte (nicht kohesive) Sedimente mittels folgender Beziehung definiert (Ariathurai und Arulanandan 1978,):


wobei Ei = Erosionskoeffizient und τcei = kritische Schubspannung für die Erosion der jeweiligen Fraktion „i“ (Lee et al. 1994).

 
Für kohesive (nicht konsolidierte) Sedimente ist der Erosionsterm Sei durch folgende Beziehung definiert (Parchure und Mehta 1985):

 

wobei ε0i , αi  und βi Koeffizienten bzw. Exponenten die Erosionsfähigkeit der jeweiligen Fraktion reflektieren.

 

Der Erosionsterm wird zu Null gesetzt wenn τb < τcei (keine Erosion).

 

Die obige konvektiv-diffusive Gleichung wurde mittels in Kapitel 3 des HYDRO_AS-2D Benutzerhandbuchs beschriebener Methode numerisch gelöst.

 

2.1    Randbedingungen

 

Die Randbedingungen für die numerische Simulation sind wie folgt:

 

-               Am Einlaufrand soll der gesamte Stoffeintrag [kg / s] in Form einer Ganglinie spezifiziert werden. Die Stoffkonzentration wird dabei als gleichmäßig über den Querschnitt verteilt, angenommen.

 

-        Der Schweb- / Schadstoff kann am Auslaufrand ungestört bzw. frei aus dem Modellgebiet auslaufen.

 

2.2    Sohlenveränderungen

 

Die infolge Sedimentablagerung / -erosion resultierenden Sohlenveränderungen  werden mit Hilfe der Exner-Gleichung modelliert:


 

wobei ρs  = Dichte des Sediments und np = Porosität am Bett darstellt.

 

3       Anwendungsbereich

 

Die in HYDRO_ST-2D derzeit verwendeten Formeln für die Erosion setzen „Oberflächen-Erosion“ (surface bzw. particle by particle erosion) des konsolidierten (kohesiven) Sediments voraus. Bei noch höheren Schleppspannungen (ca. τ  > 5 N/m2) kann es zur sog. „Massenerosion“ (mass erosion) kommen.

 

Der Anwendungsbereich ist demzufolge derzeit vor allem auf die Vorlandbereiche mit Vegetation sowie auf Seen und Stauraumbereiche mit geringeren Schleppspannungen (Strömungsgeschwindigkeiten) begrenzt. 

 

Die Ablagerungs- und Erosionsvorgänge der Sedimente mit überwiegendem Sandanteil werden i.d.R. mit folgender Formel modelliert:

 

Si = wsi (Ci * - Ci ) / a

 

wobei Ci* die sog. Gleichgewichtskonzentration und a der Anpassungsparameter (mean settling depth) für die Ablagerung / Erosion darstellt (DVWK 2003, WRC Report / Basson and Rooseboom 1997). Für die Berechnung der Gleichgewichtskonzentration existieren verschiedene Ansätze (Ackers and White, Van Rijn, verschiedene „stream power eqs.“, etc.). Es ist geplant in einer weiteren Entwicklungsphase auch solche Ansätze zu implementieren. Damit können dann auch gröbere Sedimente mit überwiegendem Sandanteil modelliert werden (Schwebstofftransport im Fluß- (Mündungs-) Bereich, reservoir flushing, etc.).


4          Literaturhinweise

 

ATV - DVWK, Arbeitsbericht: Feststofftransportmodelle für Fließgewässer, März 2003.

 

G. R. Basson and A. Rooseboom (edt.), Dealing with Reservoir Sedimentation, WRC Report No. TT 91/97, Water Research Commission, Pretoria, South Africa.

 

D. H. Lee, K. W. Bedford and C. J. Yen, Storm and Entrainment Effects on Tributary Sediment Loads, Journal of hydraulic Engineering, January 1994, Vol. 120, No. 1.

 

A. H. Elliott, Settling of fine sediments in a channel with emergent vegetation, Journal of hydraulic Engineering, August 2000, Vol. 126, No. 8.

 

A. P. Nicholas und D. E. Walling, Modelling flood hydraulics and overbank deposition on river floodplains, Earth Surface Processes and Landforms, Volume: 22, Issue: 1, Date: 1997, Pages: 59-77.

 

B. Gomez, J. D. Phillips, F. J. Magilligan and L. A. James, Floodplain sedimentation and sensitivity: Summer 1993 flood, upper Mississippi river valley, Earth surface Processes and Landforms, Vol. 22, 923–936 (1997).

 

A. P. Nicholas, Modelling and monitoring flow and suspended sediment transport in lowland river floodplain environments, Department of Geography, University of Exeter, Exeter, Devon, EX4 4RJ, UK (unpublished yet).

 

Nujic, M., 2005; Flussraumagenda Tiroler Achen (EU Projekt Interreg IIIb), Teilprojekt: Hydraulische und fluss-morphologische Untersuchung zur künftigen Entwicklung des Deltabereichs der Tiroler Achen / Chiemsee, Projektbericht.

 

Nujic, M., 2005; SUMAD- Sustainable use and management of alluvial plains in diked  river areas (EU Projekt); Schwebstoffverlandung in den Donauvorländern unterhalb der Staustufe Vohburg, Projektbericht.

 

A. Paquier and S. R. Khodashenas, River beddeformation calculated from boundary shear  stress (Déformation d ’un lit de rivière calculée à partir de la contrainte de Cisaillement), Cemagref,Hydrology-Hydraulics Research, Unit,CP 220, 69336 Lyon Cedex 09,France.

 

T. Fischer-Antze, T. Stoesse, P. Bates and N. Olsen, 3d numerical modelling of open-channel flow with submerged vegetation, J.Hydr. Research, Vol. 39, No.3, 2001.

 

U.S. Army Corps of Engeneering, User Manual TABS MD.